Sybille Marienfeld

Sybille Marienfeld
Gymnasiallehrerin für Französisch in Nordenhaus, 52 Jahre, wohnhaft über der Bäckerei in Windbergen.
Sybille hat Frankreich nie verlassen — nicht geografisch, aber geistig. Ihre Wohnung, streng und geschmackvoll eingerichtet, bildet ein kleines imaginiertes Paris inmitten eines deutschen Provinznestes, das sie verachtet. Sie raucht Gauloises, trinkt Bordeaux aus echten Gläsern, schaut alte Nouvelle-Vague-Filme und liest französische Essays, deren Titel sie in Gesprächen nicht übersetzt. Männer? Nicht mehr. Feminismus? Eine Grobheit. Ihr Sohn Johann durfte als Beate weiterleben, weil nur die weibliche Form in ihre Ästhetik passte.
Die Welt da draußen ist vulgär. In ihrer Wohnung herrscht Ordnung, Stille und ein Hauch von Lavendel. Sie kennt Helga. Sie duldet Herr Hase. Und Ulrike — nun ja, sie nennt es "Reli-BDSM für Gescheiterte."
„Ich habe nie behauptet, glücklich zu sein. Ich habe lediglich darauf bestanden, dass es schön aussieht."
